Tag und Nacht

Laute Stimmen, leises Gemurmel
Rufe durch den Raum
Ein hitziges Gefecht mit Worten
Und ich mittendrin

Meine Gedanken spazieren durch den Park
genießen die Freiheit
die frische Luft
die Natur

Doch mein Körper ist gefangen
zwischen Menschen
ihren schnell gewechselten Worten
fühlt sich klein und leer an
und kann nicht fliehen

Tara Bräuer (15 Jahre alt)
aus Kunst + Literatur 2018 – Tag und Nacht
Literaturwerkstatt Cottbus

Erinnerungen an die Stille

Grillen zirpen
Mistkäfer suchen Mist
Ameisen arbeiten fleißig
Schmetterlinge fliegen im Wind
So eine schöne Atmosphäre
Brennesseln brennen
Zitronenfalter falten Zitronen
Grillen grillen Würste
So viele erinnern sich
erinnern sich bestimmt
An faltende Zitronenfalter
An fleißige Ameisen
An grillende Grillen

Lotta Bräuer (10 Jahre alt)
aus Anthologie der Sommerwerke 2017
Literaturwerkstatt Cottbus

Blutbuche

blutbuche_kunstundunrat.de

Text:   Tara Bräuer (13 Jahre alt)
Motiv: Heidemarie Schmidt

Majestätisch erhebt sich die Blutbuche über den Park. Sie hat ihre knochigen Arme im Laufe der Zeit in alle Richtungen ausgestreckt, als ob sie mir die Schönheit des Parks zeigen möchte. Wenn der Wind durch den Baum kriecht und sich die Blätter sanft wiegen, kommt der Farbwechsel besonders gut zur Geltung. Die unteren Blätter sind rot gefärbt. Nach oben hin werden sie immer heller und grüner.

Wenn eine Brise über die Wiese jagt, sieht es so aus, als ob sich die Blumen vor der Blutbuche verneigen. Dann raschelt es auch in der weiten Krone der Buche und die umliegenden Bäume stimmen mit in das Konzert ein. Es hört sich wunderschön an. Die Blutbuche sieht dann auch so aus, als würde sie einen Taktstock schwingen wie ein richtiger, echter Dirigent.

Wenn man die Buche von einer anderen Seite betrachtet, sieht sie aus wie eine Glocke. Der dicke Stamm sieht dabei aus wie der Schlegel. In dem Blätterrauschen kann ich das Glockengebimmel hören. Ding, dong. Ding, dong. Ganz leise ist es.