Wo drückt der (Lauf)schuh

Zschopauer Berglauf 2002 Foto: Hendrik Jattke

Zschopauer Berglauf 2002 Foto: Hendrik Jattke

Seit über einem Jahrzehnt suche ich in der Chemnitzer Filiale des Dresdner Laufsportladens gemeinsam mit unseren KundInnen nach passenden Laufschuhen. Es beeindruckt mich immer wieder, welche Vielfalt mir dabei begegnet. Jeder Mensch hat seine eigene (Lauf)-Geschichte. Auch meine KollegInnen, einige von ihnen mit Trainerlizenz und alle mit reichlich Kilometern in den Beinen. Im Team untereinander herrscht Vertrauen und Rücksichtnahme, etwas, worum ich sehr kämpfe, weil es, glaube ich, die Atmosphäre unseres Ladens ausmacht. Die große Wertschätzung, die uns immer wieder von unserer Kundschaft entgegengebracht wird, spornt uns an, auf diesem Weg gemeinsam weiter zu arbeiten als „Schuhflüsterer“ – diesen Begriff prägte unser Kollege Thomas einmal, und ich finde ihn schon treffend. Ich stelle fest, dass es zunehmend wichtiger wird, in einem Spezialfachgeschäft die Menschen ganzheitlich zu verstehen. Meine Seelsorge-Ausbildung leistet mir gute Dienste dabei. Das geschulte Verkaufsgespräch genügt nicht. Wir können nur bestehen, wenn wir authentisch und ehrlich beraten und unser Gegenüber in seinen Vorstellungen gut erfassen.

 

Premiere des Musiktheaters Rabenschnabel am 26.04.2016 im Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz

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26.04.2016
Musiktheater Rabenschnabl
»Es lebte ein Kind auf den Bäumen«
Liedergeschichte von C. Wecker
Gesamtleitung Annett Illig
Produktion der Kreismusikschule ErzgebirgskreisPremiere 26.04.2016, 17.00 Uhr
Theater Annaberg,
21.05.2016, 16.00 Uhr
Theater Variabel Olbernhau,
01.06.2016, 10.00 Uhr
Kulturhaus Aue

„Durchhalten lohnt sich!“
Das habe ich heute im Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz von Kindern gelernt.

Als ich ankam, war das Theater schon gut gefüllt. Sehr viele Kinder, auch kleinere, verbreiteten erwartungsvollen Lärm. Und in der Reihe hinter mir bekundete eins fortwährend: „Mir ist langweilig!“
Doch vom ersten Lied an verstummten alle Gespräche bis zum Ende der Vorstellung. Stattdessen wurde mitgeklatscht, auch mitgesungen. Und einmal verwandelten sich die untersten Sitzreihen sogar in einen quakenden Froschteich.

Annett Illig dirigierte und agierte, vor allem aber motivierte sie ihre großen und kleinen Akteure, darunter auch ihre beiden Kinder, und sorgte dafür, dass Publikum und Künstler eng zueinander fanden.

Die noch junge Hauptdarstellerin wirkte, als hätte sie schon eine sehr lange Bühnenerfahrung, so sicher tanzte, sang, sprach und spielte sie.

Am Ende gab es großen Applaus. Zwei Jahre Probe! Das Durchhalten habe sich gelohnt, betonte Annett Illig und bekundete mitten in den Beifall hinein sehr ausführlich ihr Dankeschön den vielen Menschen, die diese Aufführung ermöglicht haben.

Es spricht sich immer mehr herum, dass Annett Illig mit klarer Handschrift Kunst im Erzgebirge lebendig macht, der man als Förderer vertrauen kann. Diese anerkennenden Worte wurden ihr von der Leitung der Kreismusikschule zugesprochen.

Für die vielen Kinder auf der Bühne und im Zuschauerraum ist die Aufführung sicher ein sehr schönes Erlebnis gewesen, das unterschiedlich lang anhalten wird. Aber keiner weiß, ob sich heute nicht ein Traum in einem Kopf festetzen konnte. Denn vieles ist möglich, wenn man sich Hilfe sucht. Und hoffentlich hat sich bei allen Anwesenden dieser Ohrwurm ein Nest in den Köpfen gebaut: „Was man nicht kann, das muss man üben!“

Es gibt noch weitere Vorstellungen zum Weiterträumen und -üben.

 

Wolfram Liebing und „Die Wolkensteiner Randerscheinungen“, ein „Stargast“ und ein sehr herzliches Publikum in der Flossmühle Borstendorf

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Wolfram Liebing Foto: Matthias Degen

Ben und Katrin Albrecht Foto: Matthias Degen

Ben und Katrin Albrecht Foto: Matthias Degen

Berndt-Michael Rassenberg Foto: Matthias Degen

Berndt-Michael Rassenberg
Foto: Matthias Degen

Eine Lesung mit viel Herz

Die oberen Fotos hat mir Herr Degen von der Freien Presse liebenswerter Weise zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Und auch für die viele Zeit, die er sich genommen hat, um seinen Artikel über diesen Abend zu schreiben.

Wolfram Liebing ging auf eine Zeitreise, begegnete seiner Herkunft in Trümmern und Menschen gemeinsam mit uns, den „Wolkensteiner Randerscheinungen“ und einem Stargast, der sich als Wolframs ehemaliger Deutschlehrer und begnadeter Dichter entpuppte: Dieter Fritzsche.

Unser zahlreich erschienenes Publikum aus dem Floßmühler Umland, aus Chemnitz und aus dem Wolkensteiner Floßplatz hörte uns in Totenstille zu, brach in lautes Gelächter aus bei Dieter Fritzsches „Umkehr-Lyrik“. Bitterer Ernst wurde von ihm gnadenlos lächerlich gemacht in sehr gekonnten Reimen – eben ganz die „alte Schule“.

Der Musiker Berndt-Michael Rassenberg entführte in ferne Länder und Träume.

Claudia Amba Funk, neu dazugekommen bei den „Wolkensteiner Randerscheinungen“, stellte das Herz auf eine traurig-heitere Bühne, beleuchtete, was den Menschen treibt, und was das anrichten kann. Schickte alle ins Universum hinaus. Und tröstete doch zum Schluss mit „Absolut“.

Ben Albrecht begleitete musikalisch und trug ebenfalls eigene Texte vor. Seine kritische Gegenwartsbeobachtung und seinen kleinen biografischen Einblick entschärfte er mit einem Augenzwinkern.

Ein bunter Abend, der keinesfalls wirr, sondern in gegenseitig bereichernder Ergänzung auch mich selbst berührt hat. Mit allen Akteuren stand ich zum Verbeugen vor dem Publikum und dachte dabei, dass sich für mich ein alter Satz bewahrheitet: die Kinder sollen es einmal besser haben. Meine Vorfahren erlebten die Trümmer und räumten sie weg. Meine Generation räumt(e) die Trümmer im Kopf auf. Unsere Kinder können frei von allen inneren und äußeren Trümmern ihr Leben gestalten. Dazu muss man die richtigen Prioritäten setzen. Darauf verwies auch in abschließenden Worten Kathrin Ardelt, die Inhaberin der Flossmühle.

Und das Herz? Braucht vor allem eins: Frieden! Den müssen wir alle gemeinsam bewahren.

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Claudia Amba Funk – absolut!

mucksmäuschenstill

mucksmäuschenstill unser Publikum

Ben Albrecht

Ben Albrecht und die Energieblockade

Tod in der Mitte

Tod in der Mitte

Es nennt sich Hangsanierung
und ist eigentlich in Ordnung,
denn früher waren die Felsen über den Straßen kahl.
Doch irgendwann hörte man auf,
sich darum zu kümmern.

Nun standen große Bäume
und konnten auf die Straße kippen.
Deshalb wurden sie gefällt.
Das Schreddergeräusch
drang bis in mein Haus und Herz.

In der Mitte seines Lebens
erfährt so ein Baum also,
dass er am falschen Platz stand.
Sein Leben ein Irrtum. Schnitt.

Aber wir haben ein Stück Lebensweg miterlebt.
Sahen, wie die Fischreiher darin saßen
und die Mufflons darunter herumsprangen.
Haben uns die Jahreszeiten anzeigen lassen und auch,
woher der Wind kam und wie stark er wehte.

Euer Leben war nicht umsonst, denn Ihr habt es mit Pflanzen, Tieren und Menschen geteilt. Habt Euren ganz persönlichen Beitrag zum Kreislauf des Lebens gegeben.

Danke, dass Ihr da ward.
Danke, dass es hier „nur“ um Bäume geht…