Jedermann in Wolkenstein

Kannst du das sehn und stehst wie Stein?
Wo bett ich heut die Kinder mein?

So lang einer im Glück ist
Der hat Freunde die Menge
Doch wenn ihm das Glück den Rücken kehrt
Dann verläuft sich das Gedränge

Ich (Werke) war ein Kelch der vor dir stand
Gefüllt vom Himmel bis an den Rand
Von Irdischem war darin kein Ding
Drum schien ich deinen Augen gering

(Textquelle: www.martinschlu.de)

Große Worte, großartig dargestellt in genialer Kulisse vor zahlreichem Publikum – so würde ich die gestrige Wolkensteiner Aufführung des Jedermann vom Ensemble des Eduard-von-Winterstein-Theaters Annaberg-Buchholz umschreiben.

Als wir ankamen, war der Hof ungewöhnlich gut gefüllt mit einem erwartungsvollen Publikum. Bereit für die Begegnung mit dem Tod mitten im Sommer und mitten in der Woche.

Selbst ein kräftiger Regenschauer während der Vorstellung konnte die Menge nicht zerstreuen – der Regen resignierte und zog ab.

Die Qualität der Darstellung ist mit der Quantität der Zuschauermenge belohnt worden.

Das Stück gibt jedermann zu denken. Diese Herausforderung konnte angenommen werden, weil die Schauspieler so meisterhaft das Gefühlsleben der Menschen nach außen kehren und darstellen können. So wird für jedermann sichtbar, was sich täglich so oder ähnlich im Verborgenen abspielt.

Der Zuschauer kann sich wiedererkennen und eigene Lebensprioritäten neu ordnen.
So kurz vor Schulbeginn in Sachsen ein Abend der Standortbestimmung, bevor der Alltag wieder die Sicht einengt.

Wolfram und Uta Liebing und viele andere Mitwirkende und Helfer sorgten für einen stimmigen Rahmen mit Herz.

Theater muss sein! Darin war man sich, glaube ich, gestern unausgesprochen einig.

Premiere des Musiktheaters Rabenschnabel am 26.04.2016 im Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz

26.04.2016
Musiktheater Rabenschnabl
»Es lebte ein Kind auf den Bäumen«
Liedergeschichte von C. Wecker
Gesamtleitung Annett Illig
Produktion der Kreismusikschule ErzgebirgskreisPremiere 26.04.2016, 17.00 Uhr
Theater Annaberg,
21.05.2016, 16.00 Uhr
Theater Variabel Olbernhau,
01.06.2016, 10.00 Uhr
Kulturhaus Aue

„Durchhalten lohnt sich!“
Das habe ich heute im Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz von Kindern gelernt.

Als ich ankam, war das Theater schon gut gefüllt. Sehr viele Kinder, auch kleinere, verbreiteten erwartungsvollen Lärm. Und in der Reihe hinter mir bekundete eins fortwährend: „Mir ist langweilig!“
Doch vom ersten Lied an verstummten alle Gespräche bis zum Ende der Vorstellung. Stattdessen wurde mitgeklatscht, auch mitgesungen. Und einmal verwandelten sich die untersten Sitzreihen sogar in einen quakenden Froschteich.

Annett Illig dirigierte und agierte, vor allem aber motivierte sie ihre großen und kleinen Akteure, darunter auch ihre beiden Kinder, und sorgte dafür, dass Publikum und Künstler eng zueinander fanden.

Die noch junge Hauptdarstellerin wirkte, als hätte sie schon eine sehr lange Bühnenerfahrung, so sicher tanzte, sang, sprach und spielte sie.

Am Ende gab es großen Applaus. Zwei Jahre Probe! Das Durchhalten habe sich gelohnt, betonte Annett Illig und bekundete mitten in den Beifall hinein sehr ausführlich ihr Dankeschön den vielen Menschen, die diese Aufführung ermöglicht haben.

Es spricht sich immer mehr herum, dass Annett Illig mit klarer Handschrift Kunst im Erzgebirge lebendig macht, der man als Förderer vertrauen kann. Diese anerkennenden Worte wurden ihr von der Leitung der Kreismusikschule zugesprochen.

Für die vielen Kinder auf der Bühne und im Zuschauerraum ist die Aufführung sicher ein sehr schönes Erlebnis gewesen, das unterschiedlich lang anhalten wird. Aber keiner weiß, ob sich heute nicht ein Traum in einem Kopf festetzen konnte. Denn vieles ist möglich, wenn man sich Hilfe sucht. Und hoffentlich hat sich bei allen Anwesenden dieser Ohrwurm ein Nest in den Köpfen gebaut: „Was man nicht kann, das muss man üben!“

Es gibt noch weitere Vorstellungen zum Weiterträumen und -üben.

 

Don Camillo und Peppone – eine Premiere in Annaberg-Buchholz

Vor ziemlich langer Zeit bat mich meine Deutschlehrerin, zum Theater Annaberg Verbindung aufzunehmen. Mit der Klasse vom Fakultativunterricht in Deutsch wollten wir einmal eine Probe gemeinsam besuchen. Zusammen mit meinem Freund blieb ich dabei gewissermaßen im Theater hängen – junge Studenten waren da, die die Schneekönigin einstudierten, und wir beide kamen wieder und wieder als Zaungäste dazu. Die Schauspieler, die uns mittlerweile schon kannten, nahmen uns sogar mit zum Kaffee in ihre Kantine. Wir fieberten der ersten Aufführung entgegen – und waren so enttäuscht von der Atmosphäre im Saal. Viel zu kleine Kinder, in ganzen Gruppen als Zuschauer zwangsbeglückt, störten die Ruhe. Unser Team aber spielte gut, und wir hofften, dass ihnen dieser erste Auftritt unter schwierigen Bedingungen nicht den Mut nehmen würde, weiter zu machen.

Einem spontanen Entschluss folgend, besuchten wir heute nach viel zu langer Zeit wieder das Annaberger Theater. Wir liefen an gerade schließenden Geschäften vorbei – verkaufsoffener Sonntag – einer Premiere entgegen.

Don Camillo und Peppone – eine Komödie über das Leben.
Wir Menschen brauchen uns in Gemeinschaft und eine moralische Unterstützung als Rahmen, den man nicht erzwingen, einkaufen oder erkämpfen kann. Nicht die Kirche als Institution, aber das Mitgefühl in Person kam heute auf die Bühne.

Ab und zu muss jeder mal raus kommen aus seiner Nummer. Zu viele Kerzen werden einzeln angehimmelt, doch nur zusammen können sie die ganze Szene beleuchten – das war ein Wort zum Sonntag! Ich dachte an die Schneekönigin zurück – schien damals alles unbeschwert, mussten heute die Schauspieler mit uns erwachsen sein. Wir alle vermasselns regelmäßig. Stünden wir dazu, dann könnten wir wieder weiter spielen. Unterschiedliche Szenerien drückten das gekonnt aus. Und es war wieder laut im Saal – aber diesmal, weil das Publikum so lachte.

Eine sehr gelungene Premiere. Unglaublich sehenswert!