Die Wolkensteiner Randerscheinungen im Theater Variabel in Olbernhau

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Am 28.10.2016 weilten die Wolkensteiner Randerscheinungen Wolfram Liebing, Berndt-Michael Rassenberg, Katrin Albrecht, Ben Albrecht, Claudia Amba Funk mit dem Gast Dieter Fritzsche im Theater Variabel in Olbernhau.

Es wuselte Suppe und norwegischen Humor aufs fröhliche Publikum. Und was unser Bürgermeister an ertragenen Ungerechtigkeiten aufbaute, blies Berndt-Michael mit seinem Digderidoo wieder um, dicht gefolgt von Dieter Fritzsche, der die Glotze und andere Zeiträuber gnadenlos zu Boden reimte.

Ein kleines, feines Theater, dessen Bretter wir betreten durften – danke dafür!

 

Künstlernatur

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(für Nic)

Hermann van Veen hat gesagt „Ich bin ein enormer Fan von Édith Piaf!“ – dieses „enorm“ hat mich sehr gerührt – wie doch die Künstler alle empfänglich und auch angewiesen sind, miteinander das Tiefe zu suchen, zu finden und zu teilen und – einer verschworenen Gemeinschaft gleich – unermüdlich daran arbeiten, das Unausdrückbare unbeschadet in die Welt zu tragen.

Und es gelingt nie ganz: das Unausdrückbare bleibt vage, die Künstler werden verletzt.

Und doch fallen Samen, wo keiner es bemerkt, ein Nächster gießt, ohne es zu wissen, ein anderer hält mit unerkanntem Fleiß den Boden locker. So kann eine kleine Wurzel ankern. Und irgendwann findet ein Künstler die Pflanze. Was für ein Kreislauf!

Immerzu

immerzu

(Gedanken zum Lied „Fallen oder Springen“ v. Hermann van Veen)

Kleines wird groß
Großes wird klein
immerzu
erst drin dann draußen
erst draußen dann drin
immerzu

säen und ernten
ernten und säen
immerzu

treibe zu dir
und von dir weg
immerzu

fange an und höre auf
werfe ab und fange auf
immerzu

sei du
immerzu
sei du

Hermann van Veen in Leipzig (3.10.2016)

Von der kleinen Zehe
bis hinauf zum letzten Haar
dehnt sich die Seele, schickt
durch den ganzen Körper ein Gefühl,
das aus dem Mund aufs Publikum
sich weitet, von dort zurück
zum nächsten Musiker springt, so dass
seine Geige klagt, was kein Mensch klagen kann
und jemand sucht nach seinem Taschentuch
schon singen Stimmen Fröhlichkeit
schlanke Beine wippen im Takt
auf schwarzen Absatzschuhen
ein unsichtbarer Luftballon
schwebt über den Köpfen
und plötzlich lachen alle ganz befreit
bis die Geige wieder klagt
und das Klavier mitsingen lässt
die Musiker sitzen, stehen, gehen,
öffnen und schließen sich wie Blüten
frieren die Bewegung ein – verweile doch, du –
aber schon jagen Zigeuner mit allen restlichen Herzen davon.

(Danke, es war ein Erlebnis!)

Jedermann in Wolkenstein

Kannst du das sehn und stehst wie Stein?
Wo bett ich heut die Kinder mein?

So lang einer im Glück ist
Der hat Freunde die Menge
Doch wenn ihm das Glück den Rücken kehrt
Dann verläuft sich das Gedränge

Ich (Werke) war ein Kelch der vor dir stand
Gefüllt vom Himmel bis an den Rand
Von Irdischem war darin kein Ding
Drum schien ich deinen Augen gering

(Textquelle: www.martinschlu.de)

Große Worte, großartig dargestellt in genialer Kulisse vor zahlreichem Publikum – so würde ich die gestrige Wolkensteiner Aufführung des Jedermann vom Ensemble des Eduard-von-Winterstein-Theaters Annaberg-Buchholz umschreiben.

Als wir ankamen, war der Hof ungewöhnlich gut gefüllt mit einem erwartungsvollen Publikum. Bereit für die Begegnung mit dem Tod mitten im Sommer und mitten in der Woche.

Selbst ein kräftiger Regenschauer während der Vorstellung konnte die Menge nicht zerstreuen – der Regen resignierte und zog ab.

Die Qualität der Darstellung ist mit der Quantität der Zuschauermenge belohnt worden.

Das Stück gibt jedermann zu denken. Diese Herausforderung konnte angenommen werden, weil die Schauspieler so meisterhaft das Gefühlsleben der Menschen nach außen kehren und darstellen können. So wird für jedermann sichtbar, was sich täglich so oder ähnlich im Verborgenen abspielt.

Der Zuschauer kann sich wiedererkennen und eigene Lebensprioritäten neu ordnen.
So kurz vor Schulbeginn in Sachsen ein Abend der Standortbestimmung, bevor der Alltag wieder die Sicht einengt.

Wolfram und Uta Liebing und viele andere Mitwirkende und Helfer sorgten für einen stimmigen Rahmen mit Herz.

Theater muss sein! Darin war man sich, glaube ich, gestern unausgesprochen einig.